Versicherer tricksen bei Lebenserwartungen
Versicherer tricksen bei Lebenserwartungen
Gesellschaften kalkulieren Verträge zu ihren Gunsten
Leipzig (mdr) – Die Versicherungsgesellschaften kalkulieren ihre Angebote mit Angaben zur Lebenserwartung, die die Versicherten benachteiligen. Das berichtet das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus in seiner aktuellen Ausgabe. Statt mit den offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu rechnen, verwenden sie Angaben aus ihren selbst erstellten Sterbetafeln. Je nach Bedarf fallen diese immer zu Lasten der Versicherten aus. Bei Rentenlebensversicherungen sinken dadurch die Garantierenten, und bei Risikolebensversicherungen müssen die Kunden höhere Beiträge zahlen.
Bei der Kalkulation von Lebensversicherungen gehen die Gesellschaften davon aus, dass die Versicherten länger leben als vom Statistischen Bundesamt errechnet. Für einen heute 35-jährigen Mann sieht das dann so aus: Die Versicherer kalkulieren mit einer Lebenserwartung von fast 93 Jahren. Das Statistische Bundesamt weist für Männer des Jahrganges 1973 jedoch eine durchschnittliche Lebenserwartung von nur gut 82 Jahren aus. Durch die Verwendung der höheren Lebenserwartung sinkt die garantierte Rente von 270 auf 205 Euro. Bei Risikolebensversicherungen gehen die Gesellschaften aber nicht von den 93 Jahren in ihrer eigenen Statistik aus und auch nicht von den 82 Jahren der offiziellen Statistik des Bundesamtes, sondern mit einer Lebenserwartung von nur 73 Jahren aus einer anderen selbst erstellten Sterbetafel. Das hat zur Folge, dass das Todesfallrisiko größer wird. So muss der Versicherte eine höhere Prämie zahlen.
Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) rechtfertigt die Verwendung ihrer eigenen Sterbetafeln. Es sei bewiesen, dass Kunden, die eine private Rente wählten, überdurchschnittlich alt würden, teilte der Verband auf Anfrage von Plusminus mit. Der unabhängige Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein hält diese These für veraltet. „Als die Rentenversicherung noch ein Nischenprodukt war, mag das noch gegolten haben“, so Kleinlein. Heute sei die Rentenversicherung aber ein massenhaft verkauftes Standardprodukt. Daher sei es auch gerechtfertigt, mit den Daten des Statistischen Bundesamtes zu rechnen.
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